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Religiöse Toleranz in Ruse
Ruse ist die 5-größte Stadt in Bulgarien und hat nach der letzten
Volkszählung im Jahre 2011 160000 Einwohner. Die Bevölkerung der Stadt
war und ist immer noch sehr bunt. Der berühmte Nobelpreisträger für
Literatur Elias Canetti hat in seinem autobiografischen Werk “Die
gerettete Zunge” sehr poetisch diese bunte Bevölkerung beschrieben,
wobei er erzählt, dass man an einem Tag in Ruse 7 oder 8 Sprachen hören
kann. Die meisten Menschen gehören zum orthodoxen Glauben, aber es gibt
auch viele andere: Katholiker, Evangelisten, Juden, Muslime. Sie alle
lebten und leben auch heute im Frieden. Die religiöse Toleranz ist
typisch für Ruse.
In Ruse gibt es heute insgesamt 7 bulgarische orthodoxe Kirchen, eine
katholische Kirche, eine evangelische metodistische Kirche, eine
armenische Kirche, eine Synagoge und eine Moschee.
Die älteste und die größte bulgarische orthodoxe Kirche ist die
Kirche der “Hl. Dreifaltigkeit”. Sie wurde im Jahre 1632
gebaut und ist eine dreischiffige Basilika. Seit 1807 hat die Kirche
eine Ikonostase aus Wallnussbaumholz. Die Wandmalereien stamen aus 1934.
Die Ikonen wurden 1989-2000 restauriert. Am Anfang, im 17. Jh., hatte
die Kirche keine Kupel und keinen Glockenturm, weil die Türken das nicht
erlaubt haben. Damals herrschten sie in unserem Land und die Bulgaren
durften keine hohen und schönen Kirchen haben. Hoch durfte nur die
Moschee sein. Deshalb ist diese Kirche teilweise unter der Erde gebaut –
4m
unter dem Hofniveau. Die Kupel und der Glockenturm wurden erst nach der
Befreiung Bulgariens von der türkischen Fremdherrschaft 1878 gebaut.
Die zweitälteste bulgarische orthodoxe Kirche in Ruse ist die Kirche
“Hl. Georg”. Sie ist auch eine dreischiffige Basilika und
wurde 1843 gebaut. Damals hatte auch sie keinen Glockenturm, er wurde
erst 1904 gebaut. Diese Kirche ist auch teilweise unter der Erde gebaut,
wegen der Türken.
Die drittgebaute bulgarische orthodoxe Kirche in Ruse ist die Kirche
“Hl. Nikolay”. Sie hat eine interessante Geschichte, die mit dem
Kampf der Bulgaren für die Selbständigkeit der bulgarischen Kirche als
Institution verbunden ist. Die Kirche wurde 1869, d.h. vor der
Befreiung, gebaut. Im nächsten Jahr, 1870, erkämpfte die bulgarische
Kirche ihre Selbständigkeit von der griechischen Orthodoxie. Damals
lebten in Ruse ein paar Hunderte Griechen, die vorher in die anderen 2
Kirchen gingen. Nach 1870 wollten sie schon eine andere Kirche haben und
haben diese schon gebaute orthodoxe Kirche gewählt, die dem Hl. Nikolay
gewidmet wurde. Sie befand sich im Stadtviertel, wo die meisten Griechen
wohnten. Nach den Balkankriegen 1912-1913 wurden die in Ruse lebenden
Griechen viel weniger, deshalb wird die Kirche “Hl. Nikolay” wieder von
den Bulgaren genutzt. Nach dem Ersten Weltkrieg kamen viele Flüchtlinge
aus Russland nach Ruse und sie begannen in die Kirche “Hl. Nikolay” zu
gehen, denn sie wohnten damals in diesem Stadtviertel. Die Russen
brachten ihre Ikonen und Bücher mit. So begannen sie zusammen mit den
Bulgaren diese Kirche zu nutzen. Seit damals ist sie als “die russische
Kirche” bekannt, obwohl die Russen in Ruse heute nicht mehr so viel sind
und die Kirche eine typisch bulgarische orthodoxe Kirche
ist.
Die neueren Kirchen “Hl. Mutter Gottes”(1934), “Hl. Petka”(1944)
und “Hl. Michael”(1956) sind im anderen Stil gebaut, sie haben
eine große runde Kupel und sehen wie eine Rotunde aus. Diese Kirchen
sind der großen runden Kirche in Preslav, der alten bulgarischen
Hauptstadt aus dem 10.
Jh., ähnlich.
Die armenische orthodoxe Apostelkirche “Hl. Mutter Gottes”
ist die älteste armenische Kirche in ganz Bulgarien. Sie wurde im Jahre
1610 gebaut. Am Anfang war sie ein kleines Haus aus Holz, das 1832
leider gebrannt hatte. Nachher hat man die Kirche neu so errichtet, wie
sie auch heute noch aussieht. Weil sie in den Jahren der türkischen
Fremdherrschaft gebaut wurde, ist sie teilweise unter der Erde gebaut,
nach den Regeln der Türken damals. Heute ist die armenische Kirche ein
Kulturdenkmal, das offen für alle Menschen ist.
Die evangelische metodistische Kirche
in Ruse wurde von amerikanischen Missionaren noch vor der Befreiung
Bulgariens von der türkischen Fremdherrschaft 1878 gebaut, nämlich im
Jahre 1869. Am Anfang gab es nur ein kleines Häuschen, und das schöne
Steingebäude der Kirche ist später, im Jahre 1882, gebaut worden.
Die katholische Kirche “St. Paulus vom Kreuz”
wurde 1892 im neugotischen Stil gebaut. Drin befindet sich die erste
und die älteste Orgel in ganz Bulgarien. Das ist die einzige
pneumatische Orgel in Südosteuropa. Sie wurde in Karlsruhe hergestellt.
Die Orgel wurde nach dem Erdbeben 1977 sehr beschädigt und erst 2004
wurde sie völlig restauriert.
Die Synagoge
“Eschkenasi” ist auf dem Platz “Ivan Vasov” im alten Zentrum der Stadt
gebaut worden. Ein paar Jahrzehnte, in den kommunistischen Zeiten, hatte
man das Gebäude der Synagoge der bulgarischen Organisation “Sportlotto”
frei gestellt. Nach der Wende nutzt schon die judische kulturelle
Gesellschaft “Schalom” dieses Gebäude. Man kann auf einem Brett im
ersten Stock die Namen der Juden lesen, die in den Kriegen für die
Vereinigung Bulgariens ihr Leben verloren haben.
Die Moschee “Said Pascha” wurde 1876 ganz in der Nähe des alten
Zentrums der Stadt gebaut. Das Gebäude ist im typischen für die
bulgarische Wiedergeburtszeit Architekturstil errichtet und ist die
einzige solche Moschee in ganz Bulgarien. Dort bewahrt man ein Haar vom
Bart des Propheten Mohamed, das man an einem der muslimischen Festtagen
ausstellt, so dass alle Menschen es sehen können.
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